Zwischen Tempelglocken und Mangoduft – unsere Reise durch Südindien

Unsere 14 Tage vom Arabischen Meer bis zur Bay of Bengal
Von den stillen Wasserwegen Keralas bis zu den heiligen Hallen Rameshwarams – eine Reise, die Herz und Seele berührt. Diese 14-21 tägige Reise voller herzlicher Begegnungen, Stille in der Natur und magischer Orte hat alles, was es braucht, um sich in Südindien zu verlieben. Vom goldenen Licht der Backwaters bis zum Rauschen der Wellen in Mahabalipuram, von Südindiens Kochkunst mit den frischen Gewürzen aus Kerala bis zu tiefen Meditationsmomenten in Kumbakonam – du wirst von der Farbenpracht und dem Ansturm auf deine Sinne überwältigt sein und die 5 ruhigen Tage am Bengalischen Meer in Mahabalipuram als Ausklang geniessen. Lass dich überraschen.
Lebendigkeit, Genuss und Stille
Kochi – Willkommen am Meer
Als ich in Kochi aus dem Flugzeug steige, schlägt mir ein warmer Wind entgegen – schwer vom Duft nach Meer und diesem undefinierbaren „Indien-Geruch“, den man nicht beschreiben, nur erleben kann. Am Taxistand lacht mich ein Fahrer an:
„First time in Kerala?“
Ich schüttle den Kopf. „No… but it feels like the first time.“
Er nickt, als hätte er verstanden, dass Indien sich bei jeder Reise neu erfindet.

Wir beginnen in Fort Kochi, wo Fischer mit uralten chinesischen Netzen den Morgenfang einholen. Kinder spielen am Ufer, während im Hintergrund ein alter Mann Chai verkauft – süß, heiß, mit einer Prise Nelken zu viel, dennoch göttlich. Endlich wieder indischen Chai trinken. In den kleinen Gassen knattert eine Riksha vorbei, irgendwo übt jemand auf einer Sitar. Ich fühle mich wieder einmal angekommen in meinem 2. Zuhause.
Wir beginnen in Fort Kochi, wo Fischer mit uralten chinesischen Netzen den Morgenfang einholen. Kinder spielen am Ufer, während im Hintergrund ein alter Mann Chai verkauft – süß, heiß, mit einer Prise Nelken zu viel, dennoch göttlich. Endlich wieder indischen Chai trinken. In den kleinen Gassen knattert eine Riksha vorbei, irgendwo übt jemand auf einer Sitar. Ich fühle mich wieder einmal angekommen in meinem 2. Zuhause.

In Fort Kochi besteht noch eine jüdischen Gemeinde, die hier im 16. Jahrhundert Zuflucht fand, nachdem sie während der Diaspora ihre Heimat Israel verlassen mussten. Sie errichteten 1568 die Paradesi-Synagoge, die heute als älteste Synagoge im Commonwealth of Nations gilt.
König Rama Varma schenkte ihnen Land nahe des Mattancherry-Palastes und öffnete damit den Raum für eine kleine, aber bedeutende Gemeinschaft. Diese Menschen prägten das kulturelle Leben der Stadt über Jahrhunderte hinweg.
Heute leben nur noch wenige Juden in Fort Kochi, und eine der letzten ist Sarah Cohen, bekannt für ihre liebevoll handgefertigten Kippas. Mit ihrem muslimischen Nachbarn verband sie eine tiefe Freundschaft, und gemeinsam führten sie ihren kleinen Laden – ein lebendiges Zeichen für die Verbundenheit der Kulturen in Kochi.
Unser Guesthouse „The Fort Bungalow“ ist sooo ein schöner Ort, um in Indien anzukommen: stilvoll, ruhig, liebevoll geführt von Mr. Joseph und sehr persönlich. Hier finde ich immer alles, was ich brauche.



Backwaters – lebendige Wasserwege
Am nächsten Morgen gleiten wir mit einem kleinen, umweltfreundlichen Boot durch die stillen Backwaters.
Hier mischen sich die Flüsse der Westghats mit dem salzigen wasser des arabischen Meeres und lassen eine einzigartige landschaft entstehen. Das fast 2000 km grosse Gebiet wird durchzogen von einem ausgedehnten Netz an Flüssen und Kanälen, die schon seit Jahrhunderten als Handels- und Verkehrswege genutzt werden.

Die Sonne sendet ihre ersten goldenen Strahlen über die noch stillen Kanäle. Langsam beginnt das Leben: Frauen waschen sich im Fluss, putzen ihre Zähne, andere wringen die Wäsche aus, während Kinder fröhlich zur Schule laufen. Eltern plaudern auf dem Weg am Ufer, und aus den Häusern dringen die Düfte des Frühstücks. Jeder Augenblick erzählt von einem Alltag, der im Einklang mit den Wasserstrassen. Wir gleiten weiter, beobachten, staunen und spüren diese harmonische Lebendigkeit.

Thekkady – Duft der Gewürze, Klang des Waldes
Thekkady empfängt uns am nächsten Tag mit kühler Bergluft und dem Duft von Pfeffer, Zimt und Nelken. Beim Spaziergang durch den Nationalpark huscht ein Schatten durchs Gebüsch. Unser Guide flüstert: „Maybe wild bison… or sambar deer.“ Wir stehen still, hören das Rascheln der Blätter. Dann nur noch Vogelrufe und das leise Knacken trockener Zweige unter unseren Füßen.
Nach dieser beeindruckenden Wanderung geniessen wir unser Frühstück, typisch Kerala: mit einer Art Kokoscrepes und Bananen. Wer dann noch Lust auf Entspannung hat, darf sich eine Ayurvedamassage gönnen – einfach göttlich.
Lernen im Gewürzgarten
Der Gewürzgarten duftet wie ein Versprechen – exotisch, wild, geheimnisvoll. Unser Guide erzählt mit leuchtenden Augen von der Heilkraft jedes Gewürzes – wie Kurkuma Entzündungen lindert, Nelken gegen Zahnschmerzen helfen oder Pfeffer den Kreislauf in Schwung bringt.
Wir riechen, probieren, lachen – und merken schnell, dass Heilwirkung nicht immer gleichbedeutend mit himmlischem Geschmack ist – besonders, wenn das Gewürz etwas saurer ist, als erwartet.


Meenakshi Tempel in Madurai – eine Liebeserklärung aus Stein
Die Fahrt geht weiter nach Rameshwaram – doch nicht ohne am schönsten Tempel Südindiens in Madurai zu halten. Der Meenakshi-Tempel erhebt sich vor uns, wie ein Fest, ein Farbenrausch aus tausenden Figuren.
„Long skirt, madam,“ erinnert uns die Wächterin am Eingang, und Susanne bindet mir schnell ein Tuch um. Innen riecht es nach Feuerritualen, der Boden ist heiss unter meinen Füßen. Überall hallen Gesänge, Trommeln, Glocken. Neben mir flüstert eine alte Frau ein Gebet, berührt kurz meine Hand – und verschwindet im Menschenstrom.
Die Geschichte dieses Tempels beginnt mit der Legende von Meenakshi, einer Inkarnation der Göttin Parvati. Der Name „Meenakshi“ bedeutet „die mit den Fischaugen“, was auf die Form ihrer schönen Augen hinweist. Es wird erzählt, dass Meenakshi als Prinzessin von Madurai geboren wurde und von klein auf außergewöhnliche Fähigkeiten zeigte. Sie war eine Kriegerin, die furchtlos gegen Dämonen kämpfte und das Königreich Madurai beschützte.
Ihr Schicksal erfüllte sich, als sie den Gott Shiva traf, der in der Gestalt von Sundareswarar, dem schönen Herrn, auf die Erde kam. Ihre Hochzeit wurde als eines der größten Feste im Himmel und auf Erden gefeiert. Der Tempel symbolisiert die Einheit von Shiva und Parvati und ist ein beliebtes Pilgerziel für Gläubige aus aller Welt.
Rameshwarams heilige Brunnen
Angekommen in Danushkodi, der Landspitze, welche am nächsten zu Sri Lanka liegt, erzähle ich einen Teil des berühmten Ramayana Epos. In dieser Geschichte rettet der Affengott Hanuman Sita, die geliebte Ehefrau Ramas aus den Fängen des Dämonen Ravana von Lanka. „Here Hanuman jumped to Lanka,“ sagt ein Mann neben uns und deutet in die Ferne. Für einen Moment habe ich das Gefühl, als könnte ich ihn sehen, den Affengott, wie er die Brücke nach Lanka für seine Heerscharen baut. Das Meer rauscht, und in den Augen der Pilger leuchtet eine stille Glückseeligkeit.
Im berühmten Ramanathaswamy-Tempel gehen wir barfuß über den langen, kühlen Steinboden der Säulenhallen. Wir werden mit den Wassern der 21 heiligen Brunnen gesegnet – ich hätte doch ein Handtuch mitnehmen sollen. Am Ende sind wir aber alle pudelnass und glücklich.


Thanjavur – Stadt der Chola-Könige
Wenn die Sonnenstrahlen am späten Nachmittag auf den Brihadishwara-Tempel fallen, beginnt der Sandstein zu glühen, als ob die Götter selbst hier Licht verankert hätten.
Vor über 1000 Jahren ließ König Rajaraja diesen Tempel errichten – mit einem Tempelturm, der höher ist als alle Eingangstore, und einem Schlussstein, so schwer wie ein ganzer Elefant.
Noch heute erzählen die Inschriften am Sockel von Tänzerinnen, Musikern und Goldschmieden, die für die Gottheit lebten, arbeiteten und tanzten. Zu Nataraja, dem grossen Fest für die Göttliche Mutter, finden hier Tempeltanz-Wettbewerbe der verschiedenen Schulen statt und wir sind völlig verzaubert von der Schönheit der Bewegungen, welche die Mädchen so perfekt ausführen.
Ich spüre hier die Größe einer Kultur, die den Hinduismus und seine Kunst weit über die Grenzen Indiens hinaus trug – und gleichzeitig die Zärtlichkeit im Detail, etwa in den Gesängen und Ritualen, die jeden Morgen den Lingam umhüllen oder der feinen Bronzekunst, die seit dem 13. Jh. in den Familien weitergegeben wird.
Wir besuchen natürlich auch eine Bronzegiesserei und dürfen die Entstehung solch einer wertvollen Figur genau verfolgen.
Kumbakonam – wo der Nektartopf landete
In Kumbakonam fühle ich einen Mythos über Shiva und Parvati besonders lebendig.
Hier soll der Nektartopf der Unsterblichkeit an Land gegangen sein, bevor Shiva ihn mit einem Pfeil zerschmetterte. Aus den Scherben formte er einen Lingam – und genau dieser steht heute im Kumbareshwara-Tempel, einem der heiligsten Orte für Shiva-Verehrer.
Während der Abisheks füllen Glockenklang und Mantren den Raum, die Energie vibriert regelrecht in der Luft. Frauen sitzen vor dem „Schrein der Mutter der Mantras“ und singen ihre Liebeslieder für die göttliche Mutter mit solcher Hingabe, das mir immer ganz warm ums Herz wird.
Dieser Tempel ist ruhiger, es gibt weniger Pilger und so können wir sehr in uns gekehrt und in Stille diese Atmosphäre geniessen.
In der nahe gelegenen Handweberei schwelgen wir danach im Farbenrausch der wunderschönen Seidensaris und Schals. Jede von uns verliebt sich gleich in mehrere Stücke – und weil das Entscheiden schwerfällt, machen wir es uns leicht und nehmen einfach mehr mit.


Chidambaram – Shivas kosmischer Tanz
In Chidambaram ist es, als ob die Erde bebt und der Himmel atmet – hier tanzt Shiva selbst, als Nataraja, sein kosmisches Spiel von Schöpfung und Zerstörung.
Dieser Tempel ist ein besonderer Kraftort: 108 Tanzposen an den Toren, eine Halle mit tausend Säulen, ein heiliger Teich, gespeist von sieben Quellen. Doch am kraftvollsten ist der Moment im innersten Schrein, vor der Statue des Tänzers, hinter der sich unsichtbar der Akasha-Lingam verbirgt – zum Element Himmel gehörend, das alle anderen Elemente in sich trägt.
Ich spüre es körperlich: eine Welle von Energie, die mich durchdringt und trägt. Hier, in Chidambaram, tanzt das Göttliche in uns.
Über Nataraja Tempel und Chidambaram kannst du in einem eigenen Blogbeitrag ausführlich lesen.
Pondicherry – Ein Stück Frankreich in Indien
Nach diesen kraftvollen Eindrücken führt uns die Reise weiter ans Meer, nach Pondicherry.
Hier weht plötzlich ein ganz anderer Wind – französische Straßennamen, koloniale Fassaden, katholische Kirchen und Polizisten mit Schirmmützen im de Gaulle-Stil.
In der Rue Romain Rolland reiht sich Café an Café, und für einen Augenblick könnte man glauben, in Südfrankreich gelandet zu sein.
Doch hinter dieser europäischen Kulisse liegt der Ashram Sri Aurobindos, ein Ort von stiller Kraft. Hierhin zog sich der Philosoph, Freiheitskämpfer und Yogi zurück, um mit seiner Seelenpartnerin Mira Alfasa den Integralen Yoga zu entwickeln.
Das Grabmahl von Sri Aurobindo liegt in seinem schönen Garten und ist ein einmaliger Kraftort. Die Meditationen hier gehen immer besonders tief.
Dieser Ashram ist bis heute einer der bedeutendsten spirituellen Orte Indiens – und zugleich die Wurzel vom 20 Minuten entfernten Auroville.


Auroville – zu Haus bei Freunden
Das Matrimandir in Auroville leuchtet im Sonnenschein. Mopeds warten auf uns, das Abendessen ist schon organisiert – ich liebe es, wenn alles läuft.
Wir sitzen am nächsten Morgen unter einem Banjan-Baum und trinken Kokoswasser, erzählen von unseren persönlichen Erlebnissen, unseren inneren Reisen. Ein Teilnehmer sagt: „Ich dachte, ich mache hier Urlaub. Aber es fühlt sich eher an wie Heimkommen.“
Für mich ist es jedes Mal wie Heimkommen, denn hier wohnen auch ganz liebe Freunde. Mein ältester Freund in Indien, Jayamoorthi, lädt uns an unserem letzten Abend in Auroville in sein Haus zum Dinner ein. Er ist mein ältester Freund in Südindien und fährt meine Reisegruppen seit 15 Jahren zuverlässig in seinen Kleinbussen an jeden gewünschten Ort. Auch mit seiner wunderbaren Familie fühle ich mich herzlich verbunden.
Über Auroville kannst du einem eigenen Blogbeitrag ausführlich lesen.
Mahabalipuram – Steinmetzkunst und Astrologie
Am Ende erreichen wir Mahabalipuram. Fünf Tage am Meer und das Rauschen der Wellen lässt uns nach dieser erlebnisreischen Reise immer mehr entspannen. Wir beobachten Fischer, essen frisch gegrillten Fisch in den guten Restaurants, lassen uns die Salzluft um die Nase wehen und laufen barfuß durch den warmen Sand.
Zwischendurch erkunden wir die alten Tempel und Reliefs, die von Göttern, Königen und Mythen erzählen. Das Steinmetzhandwerk klingt noch heute an jeder Straßenecke, wie ein uralter Puls, der nie verstummt ist. In den kleinen Läden lachen uns bunte Tücher, kunstvolle Götterfiguren aus verschiedenen Steinen und Muschelschmuck entgegen.
Abends lassen wir uns vom Duft der Gewürze leiten und probieren uns durch kleine Restaurants, jedes mit seiner eigenen Note.
Ein ganz spezieller Tip: In Mahabalipuram besuche ich seit vielen Jahren einen sehr guten vedischen Astrologen und lasse mir vorhersagen, worauf ich in diesem Jahr besonders achten sollte. Seine Aussagen haben mich immer wieder durch ihre Genauigkeit und Treffsicherheit überrascht.
Am letzten Abend organisiert unser sympatischer Guesthousebesitzer ein „Candlelight-Dinner am Strand“, wir sehen die Sonne als roten Ball im Meer versinken und sind einfach nur glücklich.




Kannst du die Sinnlichkeit, Fülle und spirituelle Tiefe Südindiens mit diesem Artikel schon etwas wahrnehmen?
Was müsste dir eine Südindienreise bieten, damit du sie geniessen könntest?


Ich freue mich darauf, deinen Weg kennenzulernen.

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